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Kurzportrait Oliver Beckmann

Blitzlicht
  • Pfarrer der Protestantischen Stiftskirchengemeinde in Neustadt an der Weinstraße
  • tritt für das Konzept der „Offenen Kirche“ ein und meint damit weit mehr als offene Kirchentüren
  • hat mit seinem Presbyterium und der Gemeinde unter dem Motto „Kirche trifft Kultur“ das Gotteshaus für viele neue Begegnungen und Veranstaltungen geöffnet
  • bereitet derzeit mit seinem Team und in Kooperation mit der Stadt den „Neustadter Herbst – Das neue Festival für Alte Musik“ vor

Dass Oliver Beckmann, Jahrgang 1970 und gebürtiger Hasslocher, über jede Menge Energie, Kreativität und Humor verfügt, ist ihm im Gespräch schnell anzumerken. Dass dahinter aber auch ein besonderer „Seitensprung“ in seinem beruflichen Werdegang steckt, ist nicht ohne weiteres zu ahnen.

Passionierter Pfarrer und gelernter Clown

„Eigentlich ist mein Lebenslauf nicht ungewöhnlich für einen Pfarrer“, sagt er. „Besuch des Neustadter Leibniz-Gymnasiums, danach zwei Jahre Studium an der Kirchlichen Hochschule in Bethel, Theologiestudium an der Leipziger Universität, Vikariat in Schifferstadt, Tätigkeit in der Diakonieanstalt Bethesda Landau, missionarisch-ökumenischer Dienst in der Kirchengemeinde Germersheim, 2004 Übernahme durch die Landeskirche, seit 2010 Pfarrstelle in Neustadt.“ Also stetig geradeaus, ohne Abstecher? „Nicht ganz“, erwidert er. „Während meiner Studienzeit habe ich Clownstücke für Kinder entworfen, die in Schulen und Kirchengemeinden aufgeführt wurden. In Mainz habe ich dann anderthalb Jahre eine berufsbegleitende Ausbildung zum Clown gemacht. Und heute bringe ich diese Erfahrungen, etwa durch Workshops für Clowns, in die ´Offene Kirche` ein.“

Konzept „Offene Kirche“

„Seit März 2013 verfolgen wir mit unserem Presbyterium und der Protestantischen Stiftskirchenge-meinde als Leitlinie des Konzept der ´Offenen Kirche`, erklärt Beckmann. „Das ist zunächst ganz wörtlich zu verstehen. Die Kirche ist montags bis freitags von 11 bis 15 Uhr und sonntags nach dem Gottesdienst geöffnet, betreut von unseren ausgebildeten ´Hüterinnen und Hütern` als Ansprechpartnern. In den letzten Jahren haben jährlich 20.000 bis 30.000 Menschen die Möglichkeit genutzt, unsere gotische Kirche zu besichtigen, dort vielleicht Platz zu nehmen und Stille zu erfahren, Kerzen für Verstorbene anzuzünden, sich an den Ständen im Seitenschiff zu informieren oder die derzeitige ´Ursinus`-Ausstellung zu betrachten. Auch Kirchen- und Turmführungen sind wichtiger Bestandteil unserer Arbeit.“

„Kirche trifft Kultur“

Als weitere Säule des Konzepts „Offene Kirche“ wurde auch deren Nutzung für die Begegnung und den Austausch von „Kirche und Kultur“ erweitert. Vermehrt finden hier jetzt kulturelle Veranstaltungen statt, etwa Szenische Lesungen, Theateraufführungen, Konzerte und Ausstellungen. „Allerdings ist die Auswahl nicht beliebig“, betont Beckmann. „Diese Veranstaltungen haben stets einen bestimmten Bezug zur Kirche und zum Kirchenraum. Eine sehr wichtige Rolle hat dabei die Kirchenmusik unter Leitung des Stifts- und Bezirkskantors Simon Reichert, der ein begnadeter Musiker und ein international bekannter Orgelsolist ist. Kostenlos bieten wir beispielsweise von April bis Ende September an Samstagen von 11.30 bis 12 Uhr die ´Marktkonzerte` mit wechselnden Solisten, Ensembles oder Chören an.“ Bei den Marktkonzerten ist am 8. Juli das „Concerto Cantabile“ zu Gast, am 15.7. konzertiert Simon Reichert an der Orgel, zusammen mit seinem Bruder Daniel Reichert (Trompete) und Sandra Marks (Alt). Glasobjekte des Neustadter Künstlers Wolfgang Helfferich im Wechselspiel mit dem Kirchenraum sind unter dem Titel „Licht … Farbe … Raum …Glas“ vom 2. bis 18. Juli zu sehen. Eröffnet wird die Ausstellung am 2. Juli, 10 Uhr, durch einen Vernissage-Gottesdienst mit den Pfarrern Oliver Beckmann und Stefan Werdelis.

Verankert im Leben der Stadt

Wie stark die Protestantische Stiftskirchengemeinde mittlerweile auch als Kulturträger in Neustadt vernetzt ist, hat sich in den Jahren seit der Gründung des Bau- und Fördervereins Stiftskirche unter Leitung Christine Conrads gezeigt. Für dessen vielfältige fantasievolle Aktivitäten zur Finanzierung der neuen Orgel sowie zur Restaurierung und Innenrenovierung des Kirchenraums, bei denen auch Neustadter Vereine, Künstlerinnen und Künstler einbezogen wurden, erhielt der Bau- und Förderverein 2016 den Kulturpreis des Stadtverbandes für Kultur.

Alte Musik und sprechende Steine

„Reformation, Repräsentation, Revolution“: Unter diesem Motto startet im September 2017 (2.-12.9.) der „Neustadter Herbst – Das neue Festival für Alte Musik“ in Nachfolge des früheren „Neustadter Orgelsommers“, veranstaltet von der Protestantischen Stiftskirchengemeinde in Kooperation mit der Stadt, unter Einbeziehung von sechs örtlichen Weingütern. Wichtiger Ideengeber war dabei nicht zuletzt Simon Reichert. Herausragende Interpreten Alter Musik präsentieren dabei authentische Musik der Renaissance bis zur Romantik (Infos: www.neustadter-herbst.de und www.simonreichert.de/termine.php). Am 20. und 30. Oktober folgt in der Stiftskirche unter dem Titel „Kleiner Mond und Löwenstern“ eine Ton-Licht-Bild-Inszenierung von Norbert Dreyer, die die alten Steine zum Sprechen bringt. Durch das Zusammenwirken von Text, Licht, Musik und Bildern erleben die Besucher die Historie mit allen Sinnen (Vorverkauf für beide Veranstaltungen: oliver.beckmann@evkirchepfalz.de; Hotline 06321-84360). Weitere Infos: www.dekanat-nw.de sowie www.stiftskirchengemeinde-nw.de und www.stiftskirche-nw.de

Text©Usch Kiausch