Seiteninhalt

Winzer-Ehepaar Bender erschließt Steillage unterhalb der Burgruine Wolfsburg bei Neustadt

NEUSTADT - Gar nicht so einfach: In mühevoller und schweißtreibender Handarbeit haben am frühen Donnerstagmorgen die Winzer Stefan (33) und Melissa Bender (28) mit ihren Helfern begonnen, unterhalb der Burgruine Wolfsburg in Neustadt eine Steillage zu rekultivieren.

Sie war 2003 als Weinberg aufgegeben worden. Vorerst auf einer Fläche von rund 1700 Quadratmetern werden Riesling- und sogenannte Piwi-Reben (pilzwiderstandsfähige Neuzüchtungen noch ohne Namen) angepflanzt – im nächsten Jahr sollen auf einem gleichgroßen Areal rote Rebsorten gesetzt werden. Mit der ersten Lese ist dort erst in etwa drei Jahren zu rechnen.

„Wir haben in der alten Neustadter Weinlage ,Mönchgarten’ zwei Flächen mit insgesamt etwa 3400 Quadratmetern gepachtet und sie von Ginster, Brombeeren und Birken befreit, die seit der Aufgabe des Geländes vor 13 Jahren als Weinberg dort aufgegangen sind,“ berichtet Melissa Bender, die seit drei Jahren mit ihrem Mann Stefan im Stadtteil Geinsheim das wohl jüngste Weingut der Pfalz mit einer vorerst noch bescheidenen Betriebsfläche von 2,67 Hektar betreibt. „Außerdem haben wir zum Teil eingebrochene Trockenmauern wieder hergestellt.“

Die wärmespeichernden Trockenmauern aus Sandstein am Südhang unterhalb der um das Jahr 1200 erbauten Wolfsburg sind stadtbildprägende Elemente nahe der Straße von Neustadt nach Kaiserslautern. Sie wurden vor etwa hundert Jahren angelegt, als auf dem steilen Hang Weinberge entstanden. Jetzt war für das junge Ehepaar Bender ein echter „Behördenlauf“ bei Kreisverwaltung und Naturschutzbehörden, Landwirtschaftskammer und Stadtverwaltung erforderlich, um alle Voraussetzungen für die Rekultivierung der Lage zu erfüllen.

Denn das gesamte Areal, an dem sich oberhalb Wald anschließt, ist auch ein wertvolles Biotop und die Heimat von seltenen Eidechsen, Schlingnattern und Vögeln, die sich in den insgesamt 58 Kilometer langen Trockenmauern angesiedelt haben. Die Benders mussten in ihrem Weinberg 18 solche Mauern freilegen und sichern, ehe es mit dem Roden und nun auch mit dem Rebenanbau losgehen konnte. Im vergangenen Jahr waren allein fürs Roden fünf Monate Schwerstarbeit nötig: 34 wildgewachsene Bäume wurden gefällt, rund 200 Meter eingestürzte Trockenmauern wieder instandgesetzt und 3500 Quadratmeter Brombeeren entfernt.

„Die Arbeit in einer Steillage ist sehr beschwerlich,“ weiß Geschäftsführer Detlev Janik von der Pfalzweinwerbung. „Deshalb gibt es in der Pfalz mit ihren rund 23 500 Hektar Rebfläche nur etwa 46 Hektar Steillagen mit einer Hangneigung von mehr als 30 Prozent – viele Parzellen wurden in der Vergangenheit aufgegeben.“ Wo sie aber dennoch weiter bestehen (oder rekultiviert werden), entwickelt sich die Grundlage für außergewöhnliche Weine, wie etwa die des VDP-Winzers Hans-Jörg Rebholz (Siebeldingen) oder von Dr. Karl-Heinz Wehrheim (Birkweiler).

So gilt ihr „Kastanienbusch“ bei Birkweiler (fünf Hektar) als ideale Lage für „große Gewächse“ – ebenso Lagen in Ungstein und in Eschbach, Leinsweiler und in St. Martin, wo unterhalb des „Hauses am Weinberg“ der mit 32 Hektar größte Steilhang der Pfalz für außergewöhnliche Weine sorgt. In Gräfenhausen bei Annweiler haben die fünf Jungwinzer der „Südpfalz-Conexion“ eine Spätburgunder-Steillage rekultiviert, deren Weine vor allem die Gäste von Kreuzfahrtschiffen begeistern. Die beschwerlichen Steillagen in der Pfälzer Heimat haben einen zusätzlichen Effekt: Wie an Mosel und Mittelrhein schaffen sie eine romantische Weinlandschaft.