Neujahrsempfang: Oberbürgermeister Weigel erklärt Erfolge und wirbt für Zuversicht
Die Welt wirkt verunsichert: Kriege, wirtschaftliche Stagnation, gesellschaftliche Spannungen. Doch Oberbürgermeister Marc Weigel stimmte beim Neujahrsempfang trotz Benennung der Krisen und Herausforderungen einen positiven Ton an. „In Neustadt geht was!“, rief er den Gästen im vollbesetzten Saalbau zu. In seiner Ansprache ging es um Zuversicht, Verantwortung und den Willen, die Zukunft aktiv zu gestalten. Der Empfang markierte auch den Start seiner zweiten Amtszeit, die er nach seiner Wiederwahl 2025 am 1. Januar antrat.
Weigel warnte davor, sich von Angst und Pessimismus lähmen zu lassen. Zuversicht sei keine Verdrängung von Problemen, sondern Voraussetzung für Gestaltung. „Wer nur negativ denkt, kann nichts aufbauen und wird handlungsunfähig“, so der Oberbürgermeister. Insofern gebe es eine Pflicht zur Zuversicht, auch aus Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen.
Kritisch setzte er sich mit dem Rechtspopulismus auseinander, der einhergeht mit der gezielten Umdeutung von Realität, der Verbreitung über eigene Medienkanäle und der Delegitimierung politischer Gegner. Das vergifte auch vor Ort die politische Kultur.
Ein Schwerpunkt der Rede lag auf der Wirtschaft. Die anhaltende Rezession sei eines der größten Probleme, da sie viele andere Herausforderungen verschärfe. Neustadt versuche im Rahmen seiner Möglichkeiten gegenzusteuern. Mit der neuen, gemeinsam mit Unternehmerinnen und Unternehmern entwickelten Wirtschaftsstrategie will die Stadt ein besonders investitionsfreundliches Klima schaffen.
Dass bereits intensiv investiert wird, zeigt sich an zahlreichen Projekten, die aktuell umgesetzt werden: Hotel- und Parkhausbau am Hauptbahnhof, Neubau eines Mercedes-Autohauses, Erweiterung des Bauzentrums H+H Handrich, Umzug der Hammermühle von Kirrweiler nach Neustadt, Neubau der Bäckerei Liebenstein sowie der Neubau von Ärztehäusern am Bahnhof Mußbach und in der Europastraße. Hinzu kommen der geplante Neubau des Berufsbildungs- und Technologiezentrums der Handwerkskammer der Pfalz sowie zwei neue Rewe-Märkte in der Martin-Luther-Straße (als Ersatz) und in Lachen-Speyerdorf. „All das zeigt: In Neustadt geht was!“
Zugleich rief Weigel dazu auf, regionale Wertschöpfung zu stärken: lokal einkaufen, Pfälzer Produkte konsumieren, Kunde bei örtlichen Banken bleiben. Wer Strom und Gas von den Stadtwerken bezieht, trägt zum Erhalt der Schwimmbäder und zum Ausbau zukunftsfähiger Netze bei.
Mit deutlichen Worten sprach der OB die schwierige Finanzlage der Kommunen an. Der Neustadter Haushalt 2026 weist ein Defizit von 23 Millionen Euro aus. Hauptursache sind weiter gestiegene Soziallasten: Von 114 Millionen Euro muss Neustadt etwa 60 Millionen Euro nur für diesen Bereich selbst erwirtschaften. Dennoch liegt das Pro-Kopf-Defizit im Landesvergleich niedrig. Setze sich die Entwicklung fort, drohe vielen Kommunen eine Schuldenspirale, aus der sich aus eigener Kraft nicht mehr herauskommen können. Dennoch habe die Gesellschaft die Kraft, solche Herausforderungen zu bewältigen, so Weigel.
Mit Blick auf die Sicherheit verwies er auf die Verwundbarkeit kritischer Infrastrukturen, wie zuletzt beim Stromausfall in Berlin. Neustadt hat in den vergangenen acht Jahren 32 Millionen Euro in den Brand-, Katastrophen- und Zivilschutz investiert, unter anderem in ein neues Sirenennetz, moderne Einsatzpläne, Fahrzeuge und Gerät. Weitere Maßnahmen sind für 2026 vorgesehen. Mit viel Applaus quittiert wurde der Dank des OBs an die vielen Ehrenamtlichen, ohne den der Katastrophenschutz nicht möglich wäre: Allein die Neustadter Feuerwehr zählt 400 Frauen und Männer. Sie ist somit die größte Freiwillige Feuerwehr in Rheinland-Pfalz.
Weiterer Schwerpunkt: die Stadtentwicklung. Die kommunale Wärmeplanung liegt seit 2025 vor und zeigt Wege zur klimaneutralen Wärmeversorgung der Neustadter Haushalte. Die von der Stadt gekaufte Hertie-Ruine wird in diesem Jahr abgerissen und eröffnet Raum für eine nachhaltige Innenstadtentwicklung. Mit der Aufnahme der „Nördlichen Vorstadt“ in das Städtebauförderprogramm „Sozialer Zusammenhalt“ können Fördermittel in Millionenhöhe für mehr Lebensqualität eingesetzt werden. Vor allem aber die Landesgartenschau 2027 wird einen erheblichen Schub für die Stadtentwicklung bringen, unter anderem mit dem kürzlich begonnenen Umbau des Umfeldes des Bahnhofs Böbig.
Zudem verwies Weigel auf zahlreiche weitere Investitionen, auch für Bildung und Klimaschutz: rund 25 Millionen Euro für Kitas in den vergangenen fünf Jahren sowie in diesem Jahr sechs Millionen Euro für die Schulen und hohe Millionen-Beträge für Straßen, Radwege und Plätze. Der ÖPNV wurde deutlich ausgebaut und 2026 soll eine riesige Freiflächen-PV-Anlage ans Netz gehen. Bis 2040 soll die Energieversorgung klimaneutral sein. Auch das sanierte Stadion im Schöntal wird 2026 fertig.
„Zuversicht ist nicht nur ein Gefühl“, so Weigel. „Sie ist eine Entscheidung – und sie beginnt hier, bei uns in Neustadt.“
NEUstadt 20.26 - Rückblicke. Einblicke. Ausblicke.
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