Karl-Helfferich-Straße (seit 1. Januar 2025 Exterstraße)
nach Karl Theodor Helfferich (1872–1924), Politiker
Biografie:
Karl Helfferich wurde am 22. Juli 1872 in Neustadt an der Haardt geboren. Er war das älteste von sieben Kindern des Textilfabrikanten Friedrich Helfferich (1845-1917) und dessen Frau Auguste, geb. Knoeckel, Tochter eines Papierfabrikanten aus dem Schöntal.
1890, nach dem Abitur am Gymnasium in Neustadt an der Haardt, studierte er bis 1894 Rechts- und Staatswissenschaften in München, Berlin und Straßburg und habilitierte 1899 an der Universität Berlin.
Von 1901 bis 1906 war er als Beamter in der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes tätig. 1903 veröffentlichte er sein wissenschaftliches Buch „Das Geld“, eine zusammenfassende Darstellung der Entwicklung des Geldwesens.
1906 wurde Karl Helfferich zum Direktor der Anatolischen Eisenbahngesellschaft ernannt und 1908 Direktor im Vorstand der Deutschen Bank. Zwei Jahre später wurde er zudem als Mitglied in den Zentralausschuss der Reichsbank berufen.
Während des Ersten Weltkriegs (1914-1918), ab dem 1. Februar 1915, war Helfferich Staatssekretär im Reichsschatzamt, was dem Amt des Finanzministers entspricht. In dieser Funktion finanzierte Helfferich den Krieg überwiegend durch langfristige Anleihen und nur in geringem Maß auch durch die Erhebung zusätzlicher Steuern.
Am 20. Oktober 1915 wurde Karl Theodor Helfferich das Ehrenbürgerrecht der Stadt Neustadt an der Haardt (für seine als Kaiserlicher Staatssekretär erworbenen Verdienste um die Kriegsfinanzierung) verliehen.
Im Mai 1916 wurde Karl Helfferich Innenminister und Vizekanzler unter Theobald von Bethmann-Hollweg und leitete nun die gesamte wirtschaftliche Kriegsführung. Mit den Kriegsanleihen allein konnten die Rüstungsausgaben nicht bewältigt werden, es erfolgte eine vermehrte Geldausgabe. Die Folge war der Beginn der Inflation. Nach dem Sturz des Reichskanzlers Bethmann-Hollweg musste auch Karl Helfferich im November 1917 von seinen Ämtern zurücktreten. Nach Deutschlands Niederlage im Weltkrieg kam es 1923 zum hyperinflationären Wertverlust der Mark. Damit wurden auch die Kriegsanleihen praktisch wertlos, die Zeichner verloren das Geld, das sie dem Staat geliehen hatten. Als Kredit- und Währungsexperte entwickelte Karl Helfferich einen Plan zur Stabilisierung der Verhältnisse. Nach seinen Vorstellungen sollte die reformierte Mark durch Roggen gedeckt sein. Helfferichs Plan zur Einführung der „Roggenmark“ wurde zwar abgelehnt, dennoch übernahm die Regierung wesentliche Elemente seines Vorschlags bei der Einführung der Rentenmark. Die Rentenmark versprach eine „Deckung“ durch Grund- und Bodenwerte. Am 20. Oktober 1923 wurde die Deutsche Rentenbank als eine vom Reich unabhängige Gesellschaft gegründet. Mit der Rentenmark gelang die Bekämpfung der Inflation. Karl Theodor Helfferich galt fortan als „Vater der Rentenmark“.
1919 trat er der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) bei, ab 1920 war er Mitglied im Parteivorstand und Mitglied des Reichstags. Karl Helfferich spielte eine zentrale Rolle bei den Hetzkampagnen gegen den Zentrumspolitiker Matthias Erzberger und gegen Walther Rathenau. Erzberger und Rathenau fielen beide politischen Attentaten zum Opfer. Helfferichs Gegnerschaft zu Matthias Erzberger reichte zurück in seine Zeit bei der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts. Im Reichstag und in der Presse trugen Erzberger und Helfferich einen heftigen Streit aus, nachdem Erzberger Missstände in der Kolonialverwaltung des Deutschen Reiches kritisiert hatte.
Als Abgesandter des Deutschen Reiches hatte Matthias Erzberger am 11. November 1918 den Waffenstillstand von Compiègne unterschrieben. Am 21. Juni 1919 wurde Erzberger zum Reichsminister der Finanzen ernannt. In einer von der rechten Presse angeheizten Kampagne diffamierte Helfferich Erzberger als Landesverräter. Während des folgenden von Helfferich provozierten Beleidigungsprozesses, schoss ein Attentäter am 26. Januar 1920 auf Erzberger und verletzte ihn an der Schulter. Als Motivation für das Attentat nannte der Täter ausdrücklich Helfferichs Schrift „Fort mit Erzberger!“. Am 26. August 1921 wurde Matthias Erzberger in Bad Griesbach im Schwarzwald bei einem weiteren Anschlag von zwei Angehörigen der rechten Organisation Consul ermordet.
Am 23. April 1924 kommt Karl Helfferich mit seiner Mutter bei einem Eisenbahnunglück im schweizerischen Bellinzona ums Leben. Am 30. April 1924 fanden auf dem Mannheimer Friedhof die Einäscherung von Karl Helfferich und seiner Mutter und eine große Trauerfeier statt. Die Beisetzung erfolgte auf dem Friedhof in Neustadt.
Straßenbenennung 1933 (aus der Pfalzbankstraße wird die Karl-Helfferich-Straße):
Die Neustadter Nationalsozialisten sahen in Karl Helfferich ihr politisches Vorbild. In der ersten Sitzung des nun von der NSDAP dominierten Stadtrats vom 27. April 1933 wurde die ehemalige Pfalzbankstraße in Karl-Helfferich-Straße umbenannt. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Nationalsozialisten schon zahlreiche politische Gegner im frühen Konzentrationslager in Neustadt interniert.
Von 20 Ratsmitgliedern gehörten im neuen „gleichgeschalteten“ Stadtrat 14 der NSDAP an, drei der SPD und drei der Zentrumspartei. Die drei Ratsmitglieder der Zentrumspartei, der auch der ermordete Matthias Erzberger angehört hatte, enthielten sich bei der Abstimmung zur Umbenennung der Pfalzbankstraße nach Karl Helfferich. Im Ratsprotokoll wurde die Ehrung Helfferichs in Neustadt folgendermaßen begründet: "Die Pfalzbankstrasse wird in „Karl Helfferichstrasse“ umbenannt in Erinnerung an den unermüdlichen Kampf, den er für Deutschlands Wiederauferstehung gegen Demokratie, Korruption und Erzberger geführt hat."
Umbenennung 2025 (die Karl-Helfferich-Straße wird ein Teil der Exterstraße):
Der Neustadter Stadtrat hat 2023 die Umbenennung der Karl-Helfferich-Straße beschlossen. Zu diesem Zeitpunkt war die Neustadter Karl-Helfferich-Straße bundesweit die einzige nach Karl Helfferich benannte Straße.
Im Zusammenhang mit der Diskussion über eine Umbenennung der Karl-Helfferich-Straße in Neustadt an der Weinstraße wurde im März 2021 das Institut für Geschichtliche Landeskunde Rheinland-Pfalz e.V. beauftragt, die Straßennamen der Stadt auf politische Belastung hin zu überprüfen. Bis zum Beschluss des Stadtrats vom Mai 2023 zur Umbenennung der Karl-Helfferich-Straße wurde eine ausführliche öffentliche Debatte über den Umgang mit den als problematisch erachteten Neustadter Straßennamen geführt.
Nach erfolgter Bürgerbeteiligung beschloss der Neustadter Stadtrat einstimmig, ab dem 1. Januar 2025 die Exterstraße nach Norden zu verlängern und die Hausnummern der alten Karl-Helfferich-Straße an die bestehenden Hausnummern der Exterstraße anzupassen.