Die Historie von Gimmeldingen
Im Mittelalter lag südöstlich des Mußbachs das kleine Dorf Lobloch, das 1751 in Gimmeldingen aufging und inzwischen eng mit dem Hauptort verschmolzen ist. 1860 erhielt die Gemeinde Gimmeldingen durch das Königreich Bayern den amtlichen Doppelnamen Gimmeldingen-Lobloch, was am 27. November 1952 allerdings rückgängig gemacht wurde. Der Name des ehemaligen Dorfes Lobloch ist heute nur noch in der Loblocher Straße, im Loblocher Schlössel und bei der Bezeichnung eines lokalen Weinfestes enthalten.
Seit 1969 gehört Gimmeldingen zu Neustadt an der Weinstraße.
Bereits 1472 ist in Gimmeldingen eine religiöse Winzerbruderschaft zu Ehren Unserer Lieben Frau urkundlich belegt. Sie wurde am 10. Januar 1472 vom Speyerer Generalvikar Peter vom Stein kanonisch anerkannt sowie mit Ablässen für ihre Mitglieder ausgestattet.
Gimmeldingen und Lobloch bis 1750
- 325: Der Römer Materninius Faustinus erbaut im späteren Lobloch ein unterirdisches Mithras-Heiligtum. Es wird vermutlich schon 352 durch Brand zerstört. Spuren einer römischen Siedlung wurden nicht gefunden.
- Bis 11. Jh.: Nach Rodung des ursprünglich bis in die Ebene reichenden Waldes könnten die Siedlungen Gimmeldingen und Lobloch entstanden sein.
- Um 1100: Eine salische Befestigung wird errichtet. Von der „Alten Burg“ sind nur noch die Fundamente erhalten.
- 1109: Der wahrscheinliche Bewohner der „Alten Burg“, Ritter Adelbert von „Gomeltigen“, wird in einer Urkunde genannt. Der Ortsname bedeutet: „Bei den Leuten der Gomahild“. Gimmeldingen gehört zur Pfalzgrafschaft bei Rhein (ab 1356 Kurpfalz).
- Um 1184: Der älteste Teil der heutigen Kirche, der romanische Turm, wird errichtet.
- 1217: Der Ort „Loppinlo“ wird urkundlich erwähnt. Der Ortsname bedeutet: „Wald des Loppo“. Lobloch gehört – wie Gimmeldingen – zur Pfalzgrafschaft bei Rhein.
- 1468: Die Ritter von Flersheim erhalten das Dorf Lobloch als kurfürstliches Lehen (bis 1655). Sie erbauen dort eine „hölzerne Burg“ (in der heutigen Mithrasstraße, Reste sind nicht mehr vorhanden).
- 1474: Die Dorfherren von Flersheim errichten in Lobloch die Pankratius-Kapelle (heute: Nikolaus-Kapelle).
- 1476: Im Zinsbuch der Pankratius-Kapelle wird neunmal der Flurname „merspin“/„mere spin“ genannt.
- 1568: Das älteste Gemeindesiegel von „Gimeltingen“ zeigt den kurpfälzischen Löwen und einen Rost als Symbol des Märtyrers Laurentius († 258).
- 1591: Das älteste Gemeindesiegel von „Loploch“ trägt das Wappen der Ritter
- von Flersheim und einen Ring als Ortskennzeichen (siehe oben).
- 1606: Als Sitz der Gimmeldinger Gemeindeverwaltung und des Dorfgerichts wird ein neuer „Hubhof“ gebaut (heute: Meerspinnstraße 26).
- 1619: Unter der Herrschaft der Flersheimer entsteht auch in Lobloch ein neuer „Hubhof“ als Sitz der Gemeindeverwaltung und des Dorfgerichts (heute: Mithrasstraße 1).
- 1750: Auf Anordnung des Kurfürsten Carl Theodor wird das völlig verarmte Dorf Lobloch dem Nachbarort Gimmeldingen „incorporiert“ (einverleibt). Trotzdem erhalten die Loblocher keine vollen Rechte am Gimmeldinger/Haardter Wald.
Gimmeldingen (mit Lobloch) ab 1750
- 1797: Die linksrheinischen Teile der ehemaligen Kurpfalz werden französisch („endgültig“ ab 1801).
- 1798: Unter der französischen Herrschaft (bis 1814) werden Grundherrschaft und Hörigkeit sowie Zins und Zehnt abgeschafft.
- 1803: Das barocke Kirchenschiff von 1723 wird über einen Teil des aufgelassenen Kirchhofs nach Osten erweitert und erhält seine heutige Gestalt.
- 1816: Die Pfalz kommt „für ewige Zeiten“ an Bayern (bis 1940, offiziell bis 1945).
- 1828: Das „Rathaus“ wird als Schul- und Gemeindehaus errichtet.
- 1840: Die Loblocher erwerben von König Ludwig I. von Bayern einen eigenen Wald. Sie setzen dem König 1841 einen Gedenkstein (bei Lindenberg).
- 1856-60: Der 1848 abgedankte König Ludwig I. besucht von Edenkoben aus mehrfach das Wingerthäuschen des Gimmeldinger Weingutsbesitzers Lingenfelder auf dem Neuberg (heute: „König-Ludwig-Pavillon“).
- 1860: Die Loblocher erhalten volle Rechte. Der Ort heißt jetzt „Gimmeldingen-Lobloch“ (bis 1952).
- 1874: Auf dem Weinbiet wird der Aussichtsturm eingeweiht.
- 1894: Die mit einem Notdach versehene Loblocher Kapellenruine wird als Turnhalle genutzt (bis 1929).
- 1926: Bei Erdarbeiten auf der Loblocher Wäschebleiche wird das Mithras-Heiligtum entdeckt. Die Fundstücke können im Historischen Museum der Pfalz in Speyer betrachtet werden (Nachbildung des Kultreliefs an der Fundstelle in der Loblocher Straße).
- 1934: Das erste „Mandelblütenfest“ wird gefeiert.
- 1952: Auf dem Weinbiet wird ein Sendemast errichtet. Er wird 1979 durch einen höheren ersetzt (133 m).
- 1957: Die von der katholischen Pfarrgemeinde 1955 erworbene Ruine der Loblocher Nikolaus-Kapelle wird nach dem Ausbau geweiht.
- 1969: Gimmeldingen wird Ortsteil von Neustadt an der Weinstraße.
- 1971: Die Festhalle wird eingeweiht (seit 1994: „Gimmeldinger Meerspinnhalle“).
- 2008: Gimmeldingen erhält eine Direktanbindung zur Autobahn A 65.
- 2009: Jubiläum: „900 Jahre Gimmeldingen"
Ausführlichere Angaben finden Sie in den Büchern:
„Lobloch - Führer durch die Ortsgeschichte" (Sitzmann 1990)
„Gimmeldingen - Chronik eines Weindorfs" (Schneider/Sitzmann 1996)
„Gimmeldingen - Leben im Weindorf" (Kermann/Sitzmann, 2008)