Stadtrat verabschiedet Klimaanpassungskonzept: Grundlage für mehr Resilienz
Neustadt an der Weinstraße will sich besser für die Auswirkungen des Klimawandels wappnen. Der Stadtrat hat einem entsprechenden von der Stadtverwaltung erarbeiteten Konzept zugestimmt. Es dient als strategisches Steuerungsinstrument, um die Stadt systematisch auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten und ihre Resilienz gegenüber extremen Wetterereignissen zu erhöhen.
Erarbeitet wurde das Konzept von der städtischen Stabsstelle für Klimaschutz, Klimaanpassung und nachhaltige Entwicklung. Es benennt konkrete Maßnahmen, mit denen den längst spürbaren Auswirkungen des Klimawandels begegnet werden kann. Die Umsetzung der 53 priorisierten Maßnahmen erfolgt unter der Koordination der Stabsstelle.
Dem Konzept liegt eine umfassende Analyse der klimatischen Veränderungen in Neustadt zugrunde. Auf Basis historischer Wetterdaten (ab 1881) sowie modellierter Klimaprojektionen wurden die spezifischen Risiken der Stadt identifiziert. Zu den zentralen Herausforderungen gehören die Zunahme von Hitzetagen (über 30 °C), häufigere Starkniederschläge sowie Trockenperioden mit Auswirkungen auf die Land- und Forstwirtschaft sowie das Grundwasser.
Die Entwicklung des Klimaanpassungskonzepts erfolgte in einem mehrstufigen Verfahren, bei dem sich auch viele Bürgerinnen und Bürger beteiligten. Öffentliche Veranstaltungen, wie etwas Workshops, boten Raum für Austausch, Rückmeldung und Mitgestaltung.
In die Konzeptentwicklung flossen Erkenntnisse und Analysen aus verschiedenen Fachplanungen ein, unter anderem aus der Stadtklimaanalyse, dem Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzept, der kommunalen Nachhaltigkeitsstrategie sowie dem Klimaschutzkonzept.
Im Ergebnis stehen nun sechs Handlungsfelder mit aufeinander abgestimmten Maßnahmen fest:
- Schwammstadtprinzip: Förderung natürlicher Wasserrückhaltung, Entsiegelung und Regenwassermanagement.
- Klimaangepasste Innenräume: Schutz vulnerabler Gruppen in öffentlichen Gebäuden, z. B. durch baulichen Hitzeschutz.
- Technische Maßnahmen im Außenraum: Begrünung, Verschattung und kühlende Infrastrukturen im öffentlichen Raum.
- Unterstützung für Privathaushalte und Gewerbe: Sensibilisierung und Beratung zu individuellen Anpassungsmaßnahmen.
- Waldumbau: Anpassung kommunaler Waldflächen an veränderte Bedingungen.
- Strukturelle Verankerung: Integration von Klimaanpassung in Planungs- und Entscheidungsprozesse.
Zu jedem Handlungsfeld wurden strategische und operative Ziele formuliert. Diese bilden die Grundlage für einen detaillierten Katalog, der 53 priorisierte Maßnahmen umfasst. Die Bandbreite reicht von infrastrukturellen Projekten über Bildungs- und Kommunikationsmaßnahmen bis hin zur Integration in die kommunale Verwaltung.
Ein zentraler Bestandteil des Konzepts ist der Aufbau sogenannter blauer Infrastruktur. Dazu zählen die Entsiegelung von Flächen, die Rückhaltung von Regenwasser durch Zisternen und Versickerungsflächen sowie die Renaturierung von Oberflächengewässern. Diese Maßnahmen tragen nicht nur zur Stabilisierung des Wasserkreislaufs bei, sondern wirken auch kühlend auf das Stadtklima. Ergänzt wird dies durch die gezielte Begrünung städtischer Infrastruktur, etwa durch Gründächer.
Angewandt werden die Kriterien des Klimaanpassungskonzepts bereits bei der Gestaltung der Landesgartenschau 2027 in Neustadt. Auch hier werden Beiträge zur klimaangepassten Stadtentwicklung geleistet. Mit dem Konzept legt die Stadt den Grundstein für eine strukturierte, langfristige und messbare Anpassung an den Klimawandel. Die Umsetzung der Maßnahmen wird durch die Stabstelle Klimaschutz koordiniert und soll künftig in alle relevanten Verwaltungsbereiche integriert werden. Innerhalb der Stadtverwaltung auf den Weg gebracht und koordiniert wurde das Konzept von Umwelt-Dezernentin Waltraud Blarr, die sich nun in den Ruhestand verabschiedet. Ihre Nachfolge tritt am 10. September Johanna Kunzendorff an.
Weiterführende Infos zum Klimaanpassungskonzept sowie zu dessen Entstehungsgeschichte finden sich unter www.neustadt.eu/Klimaanpassungskonzept
