Für mehr Artenvielfalt: Stadtrat stimmt Biodiversitätsstrategie zu
Neustadt an der Weinstraße bekennt sich einmal mehr klar zum Natur- und Umweltschutz sowie zu einer zukunftsorientierten, nachhaltigen Stadtentwicklung: Nachdem die Stadtverwaltung eine umfangreiche Biodiversitätsstrategie erarbeitet hat, wurde diese nun vom Stadtrat beschlossen. Ziel ist es, konkrete Maßnahmen zum Erhalt und zur Förderung der biologischen Vielfalt zu bündeln, neue Impulse zu setzen und die Bevölkerung zur aktiven Mitwirkung zu motivieren.
Die Strategie basiert auf einem breiten Beteiligungsprozess in Zusammenarbeit mit Umweltorganisationen, wissenschaftlichen Institutionen sowie vielen Bürgerinnen und Bürgern. Sie berücksichtigt innerstädtischen Grünflächen ebenso wie Gebäude und Verkehrsflächen sowie Landwirtschaftsflächen, Wald und Gewässer.
Bereits heute sind in Neustadt zahlreiche Projekte erfolgreich etabliert – von der Umgestaltung artenarmer Rasenflächen in innerstädtische Blühwiesen über die Förderung naturnaher Gärten und Dachbegrünung bis hin zur Gewässerrenaturierung. So wurden bereits Abschnitte des Speyerbachs renaturiert, weitere folgen – ganz aktuell im Rahmen der Landesgartenschau 2027.
Die Biodiversitätsstrategie baut auf dem langjährigen Engagement der Stadt auf. Seit 2016 ist Neustadt Mitglied im Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt e. V.“, das sich für mehr Naturschutz im urbanen Raum einsetzt. Mit der nun verabschiedeten Strategie legt die Stadt den Fokus auf eine systematische Weiterentwicklung ihres Engagements. Sie ist Grundlage für die Vertiefung bestehender Maßnahmen und die Ausweitung auf neue Bereiche – stets im Rahmen der personellen und finanziellen Ressourcen.
Ein Fokus liegt dabei auf den „Eh-da“-Flächen – bislang ungenutzte Restflächen an Wegen, Straßenrändern oder Bahnlinien, die großes Potenzial für die Förderung der Artenvielfalt bieten. Hier setzt die Stadt auf Blühstreifen, Insektenhotels, Steinbiotope und Rohbodenstandorte für Wildbienen. Weitere Handlungsempfehlungen umfassen die Umgestaltung von Schulhöfen, den Erhalt alter Weinberg-Terrassen, naturnahe Heckenpflege, das Monitoring von Kompensationsflächen und die Entwicklung neuer Konzepte zur Gebäudebegrünung und Lichtreduktion.
Zudem wird die Bedeutung von Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit betont. Ziel ist es, alle Generationen und gesellschaftlichen Gruppen zu sensibilisieren und einzubinden – etwa durch Bildungsangebote an der Volkshochschule, Naturschutzaufklärung für Freizeitsportler oder Bürgeraktionen im Rahmen des „Eh-da“-Konzeptes.
Auch kooperative Ansätze spielen eine zentrale Rolle: Die Stadt plant, die Zusammenarbeit mit Naturschutzverbänden, Schulen, Dorfgemeinschaften, Weingütern, Vereinen und anderen Akteuren weiter zu intensivieren. Bereits heute existieren zahlreiche erfolgreiche Projekte – vom Urban Gardening über Streuobstwiesen-Pflege bis zur Renaturierung von Amphibientümpeln.
Mit der Biodiversitätsstrategie legt die Stadt Neustadt an der Weinstraße den Grundstein für eine strukturierte, langfristige und messbare Förderung der Artenvielfalt. Die Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen wird durch die Abteilung Landwirtschaft und Umwelt koordiniert und soll künftig in alle relevanten Verwaltungsbereiche integriert werden. Innerhalb der Stadtverwaltung auf den Weg gebracht und koordiniert wurde die Biodiversitätsstrategie von Umwelt-Dezernentin Waltraud Blarr, die sich nun in den Ruhestand verabschiedet. Ihre Nachfolge tritt am 10. September Johanna Kunzendorff an.
