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Tapinoma magnum: FAQ der Stadt Neustadt an der Weinstraße

Die Ameisenart Tapinoma magnum breitet sich auch in Neustadt an der Weinstraße aus. Wie ist damit umzugehen? Hierzu die wichtigsten Fragen und Antworten der Stadt Neustadt an der Weinstraße.

Um welche Ameise geht es?

Deutscher Name: Große Drüsenameise
Wissenschaftlicher Name: Tapinoma magnum
Herkunft: Ursprünglich aus dem westlichen Mittelmeerraum (Spanien, Italien, Maghreb)

Verbreitung in Deutschland:

  • Erstmals 2009 im Oberrheingebiet entdeckt
  • Verbreitungsschwerpunkt Südwestdeutschland, bes. Oberrheingraben und Randgebiete
  • Rasche Ausbreitung nach Norden und Osten in andere Bundesländer

Verbreitung in Rheinland-Pfalz    

  • Seit 2022 deutliche Ausbreitung
  • Betroffen sind neben Neustadt an der Weinstraße auch viele umliegende Kommunen im Süden von Rheinland-Pfalz

Einfuhr nach Deutschland: Wahrscheinlich durch mediterranen Pflanzen (Kübelpflanzen, Blumentöpfe) über Gartencenter oder Supermärkte

Fördernde Faktoren: Klimawandel mit zunehmend milden Wintern sowie trocken-heißen Sommern

Lebensraum: warme, sonnige und trockene Bereiche, insbesondere auf sandigen Böden, auch unter Terrassenplatten und Pflastersteinen. Nur selten im Grünen und im Rasen

Ist die Tapinoma magnum gefährlich?

  • Für Menschen: Nein, keine unmittelbare Gesundheitsgefahr – auch wenn die Arbeiterinnen beißen und ihr Gift versprühen können.
  • Einstufung: Kein Schädling im engeren Sinne, sondern Lästling
  • Mögliche Probleme:
    • Beeinträchtigung in Sandbett verlegter Bodenbeläge (z. B. Gehwege, Terrassen)
    • Beeinträchtigung von Strom- und Verteilerkästen (beispielsweise für Telefon und Internet) 
    • Eindringen in Häuser auf der Suche nach Nahrung
    • Verdrängung heimischer Ameisenarten

Woran ist die Tapinoma magnum zu erkennen?

  • Größe: 2 bis 4 Millimeter. Entgegen des Namens (magnum = groß) also eher klein!
  • Arbeiterinnen mit unterschiedlicher Größe! Sind alle Ameisen gleich groß, ist es wahrscheinlich eine heimische Art
  • Farbe: Komplett schwarz, keine roten oder braunen Anteile
  • Geruch beim Zerdrücken:
    • Intensiv ranzig-buttrig
    • Ähnelt Aceton, aber schwer mit bekannten Gerüchen vergleichbar
    • Einheimische Ameisen riechen eher nicht beim Zerdrücken
  • Ameisenstraßen: Breite, mehrspurige „Ameisen-Autobahnen“. Einheimische Arten bilden meist einspurige Ameisenstraßen.
  • Nester:
    • Kleine Sandhügel an Nestöffnungen
    • Oft im Sand unter Platten und Pflastersteinen, in Fugen oder Mauerritzen
  • Aussehen der Eier und Puppen:
    • Entwickelung aus Nacktpuppen ohne Kokon
    • Bereits im Puppenstadium lassen sich Beine der Tiere erkennen
    • Farbe der Eier und Puppen: weiß-transparent.
  • Lebensraum:
  • Warme, trockene, sonnige Lagen
  • Sandige Böden, Sand und Feinsplitt unter und zwischen Bodenplatten und Pflastersteinen
  • Besonderheiten:
  • Bildung von „Superkolonien“, bestehend aus zahlreichen Brutzentren mit jeweils mehreren Königinnen
  • Über Jahre hinweg entstehen weitverzweigte Netzwerke  
  • Rasante flächige Ausbreitung möglich
  • Schwere Bekämpfbarkeit, da v. a. unterirdisch
  • Bei Störung der Nester strömen Arbeiterinnen schnell und zahlreich an Erdoberfläche
  • Tipps für ein rasches Erkennen: Einheimische Ameisen sind meist gleich groß, riechen nicht und bilden schmalere Wege.

Was kann ich tun, wenn ich einen Befall vermute?


  • Keine Meldepflicht, aber:
    • Die Stadt Neustadt bittet um Hinweise bei Verdacht
    • Bitte nur melden, wenn die genannten Merkmale zutreffen.
    • Treffen die Merkmale nicht zu, handelt es sich um eine der über 100 anderen bei uns vorkommenden Ameisenarten. Diese stellen in der Regel keine Bedrohung dar. Im Gegenteil: Sie sind ein wichtiger Bestandteil unseres Ökosystems und können auch einen Befall ihres Geländes durch Tapinoma magnum verhindern.
  • Meldemöglichkeiten:

Wie kann ich einen Befall verhindern?

Vorbeugende Maßnahmen:

  • Neue mediterrane Pflanzen sorgfältig prüfen (besonders Topfpflanzen)
  • Zugänge am Haus abdichten (Fugen, Ritzen v. a. an Fenstern, Türen und Insektengittern)
  • Lebensmittel (vor allem Süßes und Eiweißhaltiges) im Haus und im Freigelände nicht offen liegen lassen
  • Fugen zwischen Platten und Pflaster: Sand durch groben Splitt ersetzen oder notfalls vermörteln

Wie funktioniert die Bekämpfung?

Grundsätzlich:

  • Eine vollständige Ausrottung ist nicht realistisch
  • Ziel ist die Eindämmung
  • Zuständigkeit:
    • Auf öffentlichen Flächen: Stadt Neustadt an der Weinstraße
    • Auf Privatgrundstücken: Eigentümer selbst
    • Die Stadt kann private Grundstücke nicht behandeln

Empfohlene Methoden (für Privatpersonen):

  1. Kieselgur (Diatomeenerde):
    • Natürliches Gesteinsmehl, wirkt durch Austrocknung (siehe unten)
    • Verkauf beispielsweise durch Gartencenter, Agrarhandel und Kellereibedarf
  • Für Menschen und Haustiere weitestgehend ungefährlich. Kieselgur sollte jedoch nicht eingeatmet werden.
  • Beim Ausbringen werden FFP2-Maske, Schutzbrille und Handschuhe empfohlen
  • Eher ungeeignet an Orten mit spielenden Kindern oder Haustieren
  1. Heißwasserbehandlung:
    • Kochendes Wasser direkt in Nesteingänge gießen. Dies dringt jedoch nicht bis in die zum Teil relativ tief unter der Erde liegenden Nester vor.
  2. Hausmittel (Erfolg begrenzt):
    • Zimt, Lavendel, Essig, Zitronenschale, Kreidestrich
    • Abdichtung der Wege ins Haus
  3. Professionelle Bekämpfung:
    • Bei starkem Befall empfiehlt es sich, eine Fachfirma hinzuzuziehen. In Neustadt und Umgebung bieten mehrere Experten für Schädlingsbekämpfung ihre Dienste an
    • Von Insektiziden wird abgeraten, besonders bei etablierten Superkolonien. Der lokale Gifteinsatz ist hierbei wenig erfolgversprechend. Insektizide können in Innenräumen die Gesundheit gefährden. Im Garten treffen sie auch andere Insektenarten, was unbedingt vermieden werden sollte!
    • Insektiziden gehören ausschließlich in die Hand erfahrener Schädlingsbekämpfer!

Was unternimmt die Stadtverwaltung?

Die Abteilungen Stadtbild & Grün sowie Landwirtschaft & Umwelt haben ein Maßnahmenpaket erarbeitet, welches stetig weiterentwickelt wird. Dazu gehört:

  • Führung eines Verzeichnisses über gemeldete Tapinoma-Vorkommen
  • Beratung und Informationen für betroffene Bürgerinnen und Bürger über umwelt@neustadt.eu. Betroffene werden auf Wunsch auch zurückgerufen.
  • Austausch mit Experten, Fachfirmen und anderen Kommunen über effektive Bekämpfung
  • Die Stadt setzt auf eine biologische Bekämpfung, auch um die heimische Tierwelt und unser aller Gesundheit zu schützen
  • Das ausgewählte Verfahren bietet die Chancen der Tapinoma-Eindämmung
  • Eingesetztes Bekämpfungsmittel: Kieselgur (Diatomeenerde)
  • Fein gemahlenes fossiles Pulver aus Kieselalgen
  • Wirkt bei Tapinoma magnum tödlich, denn es verletzt den Chitinpanzer, woraufhin die Ameisen rasch austrocknen
  • Gezielter Kieselgur-Einsatz in Ameisen-Schlupfwinkeln und auf Ameisenwegen gilt als erfolgversprechend
    • Einsatz von Kieselgur durch städtische Mitarbeitenden auf betroffenen öffentlichen Flächen
    • Regelmäßige Sichtung von betroffenen Flächen und evtl. Nachbehandlung

Warum ist eine gemeinsame Bekämpfung wichtig?

  • Tapinoma magnum kann Superkolonien mit mehreren Königinnen und weit verzweigten Nestern bilden
  • Wird nur ein Grundstück behandelt, weichen die Ameisen in benachbarte Bereiche aus
  • Daher: Koordiniertes Vorgehen und Abstimmung mit den Nachbarn ist sehr empfehlenswert.
  • Bekämpfung allerdings nur in Befall von Tapinoma magnum! Andere Arten sind wichtige Teile unseres Ökosystems und Gegenspieler von Tapinoma magnum. Einige einheimische Arten wie die Waldameise sind auch geschützt.

Wo gibt es weiterführende Informationen?