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28.12.2021

Weiden südwestlich von Diedesfeld werden zu Kopfweiden

Die Umweltabteilung der Stadt lässt eine größere Anzahl Weiden am Brühlgraben am südwestlichen Ortsrand von Diedesfeld zu Kopfweiden umgestalten. Damit will man einem Umbrechen der Stämmlinge in die benachbarten Wingerte und auf den Brühlweg zuvorkommen, und es dient zugleich dem Artenschutz. Die Maßnahme soll Anfang Januar umgesetzt werden.

Als Kopfweiden bezeichnet man Weiden, deren Stämme auf eine Höhe von ein bis drei Metern eingekürzt werden. Durch das regelmäßige „Schneiteln“ der Austriebe verdickt sich das Stammende kopfartig, daher der Name. Höhlenreiche Kopfweiden bieten zahlreichen bedrohten Tierarten (Vögeln, Fledermäusen, Insekten) Lebensraum.

Die Weiden am Brühlgraben waren im Zuge des Weinberg-Flurbereinigungsverfahrens Diedesfeld IV 1996/97 gepflanzt worden. Zwischenzeitlich haben sie sich zu stattlichen, mehrstämmigen Gehölzen von neun bis zwölf Metern Höhe entwickelt. Weiden sind bekannt dafür, dass sie leicht brechen. Das ist Teil ihrer Fortpflanzungsstrategie, denn herabfallende Äste können bei Erdkontakt bewurzeln und neue Bäume bilden. Im Bereich von Verkehrswegen und benachbarten landwirtschaftlichen Dauerkulturen wie dem Weinbau wird die Brüchigkeit großer Weiden aber zum Problem. Etwa 25 Weiden auf einer Strecke von 250 Meter Länge entlang des Grabens werden nun auf etwa zwei Meter Höhe eingekürzt. Ein Teil des Holzes verbleibt aus Artenschutzgründen vor Ort.

Hintergrundinfos:

Weiden wachsen gerne auf feuchtem Boden. Hier aber stehen sie mitten im Rebland. Wingerte gab es beiderseits des Brühlgraben in historischer Zeit nicht, das belegen die Flurnamen. Das Wingertgewann nördlich des Grabens heißt „Im Brühl“. Heute weiß kaum noch jemand, was das bedeutet. Neuhochdeutsch „Brühl“, pfälzisch „Brihl“, kommt vom keltischen „broglios“ und entwickelte sich über das althochdeutsche „bruoil“ und das mittelhochdeutsche „brüel“ zum frühneuhochdeutschen „brül“. Der Brühl bezeichnete feuchtes Wiesenland.

Zum Zeitpunkt der Ausbildung von Örtlichkeitsbezeichnungen im Frühmittelalter, als die Diedesfelder noch Althochdeutsch (genauer: Altsüdrheinfränkisch) sprachen, war hier also „bruheliher“ (brühliger), das heißt sumpfiger Boden, der als Mähwiese oder Viehweide genutzt wurde. Reben gab es hier früher nicht. Das Gewann südlich von Brühlgraben und Brühlweg heißt „Neuwiesen“, ein weiterer Hinweis auf die historische Grünlandnutzung. Weidenbäume passen hier also durchaus in die Kulturlandschaft. Ihre Umgestaltung zu Kopfbäumen ist in gewisser Weise ein Tribut an die heutige Nutzung in der Nachbarschaft. 

Autor/in: Pressestelle