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Jugendamt in Neustadt an der Weinstraße gab 2010 mehr als 500 Mal Tipps bei der Erziehung

Die „Familien-Krisenmanager“:
Wenn Eltern Unterstützung brauchen...
In vielen Kinderzimmern gibt es sie: die „Struwwelpeter-Geschichten“. Meistens als Buch. Manchmal passieren sie dort aber auch. Dann suchen Eltern nach Hilfe – und finden sie beim Jugendamt in Neustadt an der Weinstraße. Hier gibt es so etwas wie ein „Familien-Krisenmanagement“. Das hat im vergangenen Jahr über 500 Mal bei Konflikten rund um die Erziehung geholfen. Die Themenpalette, um die sich das Jugendamt dabei kümmert, ist breit: ratlose Eltern, Familienkrisen, Schulprobleme, Gewalt, Alkohol- und Drogensucht.
 
„Nur mit Schreierei kann Erziehung nicht klappen. Erst recht nicht, wenn dann auch noch die Hand ausrutscht. Bevor Eltern so hilflos reagieren, sollten sie dringend zu uns in die Beratung kommen“, sagt Regina Laubscher vom Jugendamt in Neustadt an der Weinstraße. Das sei übrigens das gute Recht von Eltern und Kindern. Insgesamt habe das Jugendamt im vergangenen Jahr 523 solcher Beratungen durchgeführt.
 
Für viele stellt der Gang zum Jugendamt aber immer noch eine enorme Hemmschwelle dar. Entweder fällt es ihnen schwer, sich einzugestehen, dass sie mit der Erziehung überfordert sind. Oder sie haben sogar Angst, dass ihnen die Kinder weggenommen werden. „Aber genau diese Angst ist unbegründet. Der Kontakt mit dem Jugendamt ist oft bereits der erste Schritt zur Lösung. Unser Ziel ist es, zusammen mit den Familien einen Weg aus Problem- und Krisensituationen zu finden“, so Laubscher.
 
„Wer mit lästiger Telefonwerbung bombardiert wird, geht zur Verbraucherzentrale. Wer mit seinem Stromanbieter unzufrieden ist, zur Energieberatung. Und wer Beziehungsprobleme hat, zur Eheberatung. Genauso selbstverständlich sollte das Jugendamt die Anlaufstelle bei Problemen in der Familie sein“, sagt Andreas Schuseil.
 
Die Gründe, sich Rat und Hilfe zu holen, können sehr unterschiedlich sein: Kinder, die sich auffällig verhalten, Beziehungsprobleme oder Trennung bzw. Scheidung der Eltern. Auch bei Ärger in der Schule oder Problemen mit der Ausbildung hilft das Jugendamt. 12 bis 15 Jahre – das ist die „kritische Phase“, bei der Eltern das Jugendamt in Neustadt auf den Plan rufen.
 
Das Jugendamt ist eine „Servicestelle mit Profis an Bord“ für Eltern, Kinder und Jugendliche. Die Sozialpädagogen geben wertvolle Tipps. „Wir sind keine ‚Super-Nannys’ aus dem Fernsehen mit Patentrezepten in der Tasche. Wir gehen direkt in die Familien und suchen gemeinsam nach individuellen Lösungen“, so Stefanie Lang.
 
Das Ziel vom Jugendamt ist es, dass Kinder und Jugendliche in ihrer Familie und im vertrauten Umfeld bleiben können. Erst wenn es keinen anderen Weg gibt, werden Hilfen außerhalb der Familie bei Pflegeeltern, in Einrichtungen oder Wohngruppen gewährt. „Dann aber, um die Kinder zu schützen und um ihnen bessere Chancen zu geben, im Leben Fuß zu fassen“, sagt Laubscher.
 
Insgesamt leben 75 Kinder und Jugendliche derzeit in Pflegefamilien – vermittelt vom Jugendamt.
84 leben in einer Einrichtung oder einer anderen betreuten Wohnform.